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Hörbericht: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

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    Hörbericht: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

    Hallo Musikfreunde,

    vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit und das Vergnügen, den Schriftsteller Rainer Cordts über ein HiFi-Forum persönlich kennenzulernen. Nach einigen Schriftwechseln besuchte er mich und ich lernte dabei einen Menschen kennen, der sich nicht nur als äußerst musikinteressiert zeigte, sondern sich mir auch als ein besonders gebildeter Mensch darbot, dabei von einer völlig unprätensiösen Art und Weise, still und bescheiden im Auftritt. Sehr schnell entstand so auch der Wunsch von mir, mir einmal seine HiFi-Anlage bei ihm anhören zu können, was Rainer auch gern ermöglichte. So machte ich mich also alsbald zu ihm auf.

    Rainer ist ein ausgewiesener, profunder Kenner und Liebhaber Klassischer Musik, was ich schon bei seinem Besuch bei mir feststellen konnte und von dem ich viele gute Erläuterungen und Musiktipps erhielt. Das wollten wir bei ihm vertiefen.

    Zunächst möchte ich seine Anlage ein wenig genauer vorstellen:

    Isophon Vertigo Gold Signature mit Eigenmodifikationen zur Gehäuseberuhigung und -dämpfung.
    2 mal Nubert AW 1500 (stereofon angeschlossen. Hauptboxen und Subs berkommen dasselbe komplette Signal. Zur Vermeidung von Überhöhungen im Überlappungsbereich mit den Hauptboxen wurden deren innenliegende Bässe mittels Dämmstoff in den Resonatorauslässen mechanisch im Pegel angepasst.)

    ASR Emitter II Exclusive Akku mit Extra dickem Acryl-Deckel (Sonderanfertigung)

    Lehmann Kopfhörerverstärker als zusätzlicher Vorverstärker zwischen Emitter und Subs zur bequemeren Pegelanpassung der vorab fest eingestellen Subwoofer.

    Marantz SA 11 S 1

    alle 4 Boxen mit Spikes "hart" an den Estrich angekoppelt.

    alle Elektronik-Komponenten mit Blotevogel oder Gummidämpfern "weich" gelagert.

    Rack Eigenbau aus gestapelten Granitblöcken.

    Raumtuning mit zahlreichen porösen Absorbern von Basotect oder Eigenbau.

    LS-Kabel: einfache 10-Quadratmillimeter Kupferlitze in 4 Einzeladern für Bi-Wiring auf möglichst kurzer Länge durch vier Alu-Röhren geführt.







    Gleich beim Eintreten des Hörraums war ich überwältigt von diesem schönen Raum. Hell, hoch, akustisch optimiert - wie sich gleich darauf herausstellen sollte. Was gäbe ich drum, solch einen tollen Raum mein eigen nennen zu dürfen.

    Alles ist hier auf den Musikgenuss hin ausgerichtet. Rainer hieß man dann auf seinem Sessel im sweet spot Platz zu nehmen, dann ging´s mit der Musik auch schon los. Eines gleich vorweg: Dies war die bisher beste klangliche Darbietung, die ich je von einem passiven System erleben durfte! So glasklar in den Höhen, so knackig in den Bässen, so neutral in den Stimmlagen hatte ich noch nie zuvor ein passives Lautsprecherkonzept bisher hören können. Besonders beeindruckte mich dabei die Basswiedergabe, die derart knackig und präzise war, daß ich nur ungläubig staunen konnte. Die 2 Nubert-Subwoofer leisteten ganze Arbeit. Sowas kannte ich bis dato nur von den besten Aktivlautsprechern im 5-stelligen Euro-Bereich. Die Vertigo - ein wirklich eigenwilliger Name für einen Lautsprecher - war also alles andere als tot, "schwindelig", was der Name ja auch im medizinischen Sinne bedeuten kann, konnte einem aber auch werden ob der dargebotenen akustischen Qualität. Hier können Pegel gefahren werden, die weit über dem lagen, was bei mir im Hörkeller möglich ist - und das ohne jede klangliche Einbuße. Dabei spielt diese Lautsprecher-Subwoofer-Kombination stets äußerst souverän ohne jeden Kompressionseffekt, absolut homogen, völlig bruchlos und stimmig, alles wie aus einem Guss. Schnell kommt da der Wunsch nach erhöhter Lautstärke auf. Der Emitter hat das gesamte Geschehen dabei locker und souverän im Griff, egal, welche Pegel gefordert werden.

    Rainer, herzlichen Glückwunsch zu dieser Anlage. Ganz großes Klangkino wurde mir da beschert. Eines der Hörerlebnisse, das ich so schnell nicht vergessen werde!

    Wir haben stundenlang alles Mögliche gehört, auf einzelne Aufnahmen will ich nicht näher eingehen, das kann Rainer als Kenner der Klassischen Musik viel besser als ich. Meine mitgebrachten Musikbeispiele - darunter einige echte harte Prüfsteine - brachte die Anlage phantastisch rüber. Für mich ist diese Anlage meine passive Referenz. Wenn passiv, dann muß es so sein. Sie kann alles, was eine hervorragende aktive Lösung auch kann, in manchen Dingen ist sie für mich gar überzeugender. An diesem großartigen Auftritt hat mit Sicherheit auch der akustisch behandelte Raum seinen Anteil. Die Höhe des Raumes läßt die Tiefenstaffelung sehr überzeugend zu, nichts stört, nichts wirkt eingeengt. Stimmen und Instrumente atmen, haben Raum.

    Gibt´s nicht zu bemängeln? Nein, wirklich nicht. Trotz größter Mühen, irgendein Haar in der Suppe zu finden - es ist mir nicht gelungen. Halt, vielleicht doch noch eines: Man ist auf die exakte Position im sweet spot angewiesen, aber das ist auch gewollt und eigentlich logisch. Denn dort muss es klingen. Wer läuft schon beim konzentrierten Hören durch den Raum?

    Rainer, ich hoffe, du liest diese Zeilen und meldest dich hier auch an. Ich habe bei ihm Überzeugungsarbeit leisten müssen, daß ich diesen Bericht schreiben konnte. Er ist ein eher scheuer Mensch und meidet die Foren, weil ihm .....naja, er ist halt in erster Linie Hörer und Genießer - wie ich.

    Ich habe allen Grund, mich für die Möglichkeit dieses Events bei ihm zu bedanken. Es war für mich ein unvergeßliches Hörerlebnis der besonderen Art und würde mich sehr freuen, wenn wir uns nochmal wiedersehen können.

    Für die nette Bewirtung - klasse selbstgemachte Pizza - den anregenden Gesprächen mit deiner Frau und Kindern möchte ich mich recht herzlich bedanken.

    Gruß
    Franz

    #2
    AW: Hörbericht: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

    Hi Franz,


    sehr schöner Bericht!

    vor allen Dingen über einen Menschen der Musik hört!Das CD-Regal ist sehr schön!finde mal für mich raus,um welchen Hersteller es sich handelt.
    Gruss

    Claus
    Zuletzt geändert von Claus B; 29.11.2007, 17:54.

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      #3
      AW: Hörbericht: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

      Zitat von claus B. Beitrag anzeigen
      Hi Franz,


      sehr schöner Bericht!


      Gruss

      claus
      Hallo Franz,

      dem kann ich mich nur anschließen - da möchte man selbst Mäuschen (natürlich im Sweetspot) gespielt haben...
      Grüßle von der Audiohexe

      sigpic


      Und nun verstand ich es, das Geheimnis der Musik, ich verstand, warum sie allen anderen Künsten so turmhoch überlegen ist: Es ist ihre Körperlosigkeit.
      Wenn sie sich einmal von ihrem Instrument gelöst hat, dann gehört sie wieder ganz sich selbst, ist ein eigenständiges freies Geschöpf aus Schall, schwerelos, körperlos, vollkommen rein und in völligem Einklang mit dem Universum.
      (von Walter Moers)

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        #4
        AW: Hörbericht: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

        Danke, Claus. Ich wollte auch nicht vom Hölzchen auf´s Stöckchen dabei kommen, sondern wollte einen Gesamteindruck vermitteln. Und der war wirklich erstklassig. Zum ersten Male konnte ich erfahren, was passive Konzepte - sinnvoll umgesetzt - klanglich auf die Beine stellen können.

        Hoffe, damit auch ein wenig beitragen zu können, daß künftig in der Diskussion passiv versus aktiv ein wenig mehr Realismus einkehrt. Beides kann nämlich ganz hervorragend sein. Es kommt - wie immer - auf die jeweilige Umsetzung an. Und hier hat Rainer mit dieser betagten Vertigo so ein gutes Händchen und soviel Sachverstand bewiesen mit seinen Modifikationen, daß es einem die Sprache verschlagen kann. Wer kann, sollte sich das mal unbefangen zu Gemüte führen.

        So schön kann HiFi sein.

        Gruß
        Franz

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          #5
          AW: Hörbericht: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

          Hallo Claus,

          was auf dem Bild nicht so ganz deutlich rauskommt: Das Regal hat Rainer als Diffusor gestaltet. Alle CDs sind unterschiedlich eingeordnet. Das wirkt in etwa so wie ein "Schröder-Diffusor". Prima Idee und Umsetzung. Wo er es herhat, keine Ahnung, vermutlich Eigenbau. Aber hoffentlich meldet er sich hier noch. Dann kann er aus seiner Sicht noch einiges dazu erzählen.

          Gruß
          Franz

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            #6
            AW: Hörbericht: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

            Zitat von Franz Beitrag anzeigen
            ... Das Regal hat Rainer als Diffusor gestaltet. Alle CDs sind unterschiedlich eingeordnet. Das wirkt in etwa so wie ein "Schröder-Diffusor".
            Hallo Franz,

            das Problem ist, dass sich dieser Diffusor ständig verändert - weil Amazon, JPC und wie sie noch alle heißen, immer wieder Geschäfte machen...
            Grüßle von der Audiohexe

            sigpic


            Und nun verstand ich es, das Geheimnis der Musik, ich verstand, warum sie allen anderen Künsten so turmhoch überlegen ist: Es ist ihre Körperlosigkeit.
            Wenn sie sich einmal von ihrem Instrument gelöst hat, dann gehört sie wieder ganz sich selbst, ist ein eigenständiges freies Geschöpf aus Schall, schwerelos, körperlos, vollkommen rein und in völligem Einklang mit dem Universum.
            (von Walter Moers)

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              #7
              AW: Hörbericht: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

              Jau Edith, das kenne ich.

              Zum Regal noch: Rainer hat mir eben eine Antwort geschickt: "Mein CD-Regal besteht aus stinknormalen Billy-Regalen von Ikea, mit zusätzlichen Einlegeböden versehen." Es muss also nicht unbedingt was "highendiges" sein. Ideen muss man halt haben. Und die hat er.

              Gruß
              Franz

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                #8
                AW: Hörbericht: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

                Hi Franz,


                "Mein CD-Regal besteht aus stinknormalen Billy-Regalen von Ikea, mit zusätzlichen Einlegeböden versehen."

                hatte ich vermutet!


                Gruss

                Claus

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                  #9
                  AW: Hörbericht: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

                  Hallo,

                  schön das auch passive Konzepte gefallen können.Ich selber habe schon garnicht mehr daran geglaubt,bei dem was man in den verschiedenen Foren so alles lesen muss.Manchmal kann ich wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln wenn steif und fest behauptet wird,nur aktiv könne überzeugen,das ist wirklich Unsinn.Es gibt auf beiden Seiten gute und schlechte Boxen.

                  @Franz

                  Danke deiner ehrlichen Worte.

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                    #10
                    AW: Hörbericht: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

                    Hi Milon,

                    Es gibt auf beiden Seiten gute und schlechte Boxen.
                    So ist es,und es geht in all diesen Diskussionen eins verloren,Audiokomponenten sind ein Mittel zum Zweck,je nach persönlichen
                    Ansprüchen"Musik zu hören" und sich an den auf Konserven verewigten Künstlern und deren Musik zu erfreuen!

                    Gruss

                    Claus

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                      #11
                      AW: Hörbericht: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

                      Es gibt auf beiden Seiten gute und schlechte Boxen.
                      So isses, Milon. Es kommt halt darauf an, wie wieviel know how jemand was wie umsetzt. Ich hab schon vieles gehört, querbbeet durch alle möglichen Konzepte, dabei schlechtes, mittelmäßiges und Hervorragendes vor die Lauscher bekommen. Mir ist es auch schon passiert, daß ich tolle Lautsprecher ganz mies gehört habe, weil die Bedingungen (Periherie in Form von schlechtem Front End oder üble Raumakustik) es nicht anders zuließen. Also, man muß vorsichtig mit einem allgemeinen Urteil über Klangqualität sein und vor allem darauf achten, daß sowohl die Zuspielgeräte als auch die Rahmenbedingungen optimal sind. Es gibt auch Lautsprecher - meine Silbersand gehören da ganz klar dazu - die zeigen dir glasklar, wie gut die Zuspielqualität der Quellen sind.

                      Zu einer richtig überzeugenden Gesamtanlage zählt immer die Arbeit im Detail. Da steckt das Können und das Herzblut sowohl der Entwickler als auch das der Anwender drin. Es liegt letztlich an deinen Möglichkeiten, was du aus einem Gesamtkonzept machst.

                      Ob aktiv oder passiv ist erstmal egal. Mit beiden kannst du erstklassige Ergebnisse erzielen. Wer was anderes behauptet, hat schlicht ein Brett vor´m Kopf oder Bohnen in den Ohren. Glaubt doch nicht den Dogmatikern jedweder Lehren. Sie sind inhaltsleer.

                      Gruß
                      Franz

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                        #12
                        AW: Hörbericht: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

                        Hi Franz,

                        Es gibt auch Lautsprecher - meine Silbersand gehören da ganz klar dazu - die zeigen dir glasklar, wie gut die Zuspielqualität der Quellen sind.

                        genau das ist es was nie richtig verstanden wird.Je hochwertiger es wird,desto mehr bekommt man von den Details mit.Nun ist es aber so,dass die allermeisten derartigen Geschosse nur aus der Ferne her kennen und nur selten in der eigenen Hörstube damit in Kontakt treten.Wir werden lernen müssen zu akzeptieren,dass nicht alle Anlagen in der Lage sind Details aufzudecken.Es gibt Anlagen,die es nicht schaffen einen Unterschied zwischen einer MP3 und dem Original herauszufiltern.Da ist das dann wirklich am besten wenn sich die Wege trennen und man sich mit Gleichgesinnten unterhält(zum Glück gibt es noch einige davon).

                        PS : Vielleicht gesellt sich Rainer ja noch dazu.

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                          #13
                          AW: Hörbericht: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

                          Rainer will erstmal in Ruhe sich einlesen und schauen, wie sich das hier entwickelt. Ich kann ihn gut verstehen. Er könnte sehr schön erzählen und zeigen, was er mit der Vertigo alles gemacht hat. Das hatte alles Hand und Fuß. Ich erlebe es selten, daß jemand soviel Hirnschmalz in seine Umsetzungen steckt - und das Ergebnis gibt ihm Recht. Was er da an Klangqualität herausgeholt hat, ist wirklich umwerfend. Da schauen einige hochgelobte "Referenzen" ganz alt dagegen aus.

                          Wir werden lernen müssen zu akzeptieren,dass nicht alle Anlagen in der Lage sind Details aufzudecken.
                          Ich argwöhne oft, viele wollen das auch gar nicht hören. Für mich jedenfalls sind Begriffe wie Transparenz, Präzision, Abbildungsgenauigkeit, Konturenschärfe und Tiefbassqualität absolut wichtig. Und sehr häufig erlebe ich es, daß klangliche Informationen deshalb unterschlagen werden, weil ein aufgedickter Grundton subjektiv schön dies überdeckt.

                          Gruß
                          Franz

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                            #14
                            AW: Hörbericht: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

                            So, nun kann ich mich auch endlich einmal melden und Franz ein herzliches Dankeschön sagen.

                            Wir hatten einen tollen Tag in äußerst angenehmer Atmosphäre.
                            Franzens Offenheit und Neugier nicht nur auf meine Anlage sondern auch auf meinen hifidelen Werdegang und die Gründe für Wege und Umwege haben mich beeindruckt.

                            Wenn Interesse besteht, kann ich meine "Basteleien" in Kürze auch mal näher beschreiben. Die Boxen sind mittlerweile zu Unikaten mutiert, die ich deshalb wohl auf ewig werde behalten müssen, weil niemand so etwas je von mir kaufen würde. Ist vielleicht auch gut so.

                            Soviel für heute ... und noch einmal einen herzlichen Gruß an alle!

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                              #15
                              AW: Hörbericht: Vertigo - Aus dem Reich der Toten

                              Hallo Rainer,

                              ja, an deinen "Bastelleien", wie du es nennst, wäre ich sehr interessiert. Wenn jemand aus einem solch alten Modell einen solch hervorragenden Klang zaubern kann, dann kann ich nur sagen: Hut ab!

                              Wird auch für viele andere hier bestimmt interessant werden. Allein die Umsetzung der Maßnahmen, die die Gehäuseresonanzen elimiert haben, kann sehr hilfreich sein. Das hat mich nämlich am meisten beeindruckt.

                              Den "Eigenklang" einer Box austreiben, das ist hohe Kunst. Dies kommt dann im Ergebnis einer hohen Wiedergabetreue sehr entgegen.

                              Gruß
                              Franz

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