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Wer zu neuen Ufern will, schwimmt mit der Kraft der alten Ströme

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    Wer zu neuen Ufern will, schwimmt mit der Kraft der alten Ströme

    Tradition und Moderne, versöhnt: Quest beim NDR

    Sie spielen nicht oft zusammen. Das aber schon länger. Alle vier sind sie Weltstars des aktuellen Jazz. Gemeinsam, in ihrem Quartett Quest, zelebrieren Dave Liebman, Richie Beirach, Ron McClure und Billy Hart die ganz hohe Schule des Jazz. Die vier aufgeklärten Modernisierer schaffen, woran in der Nachfolge von John Coltrane Generationen von Musikern scheiterten: sie bekennen sich zum akustischen Zentrum des Jazz, sie nehmen die Energie und den Tiefgang der Vorläufer auf, bewahren sich dabei jedoch die Distanz vom Gewesenen und bereichern das Erbe von ihrem eigenen Standpunkt aus. Einfach und komplex, harmonisch und dissonant, der Tradition verbunden und so frisch wie ein Bergquell. Auch im Rolf-Liebermann-Studio in der Jazzkonzertreihe des NDR, in der ihnen am Donnerstag das Privileg eingeräumt wurde, gleich zwei Sets spielen zu dürfen, weil die ursprünglich als zweiter Programmpunkt angesetzte NDR-Bigband derzeit mit Al Jarreau durch Europa tourt. Welch glücklicher Zufall, immerhin hatte das Quartett vor einer Europatour vor zwei Jahren fünfzehn Jahre lang darauf verzichtet, als Quest aufzutreten. Nun spielen sie in Hamburg, eine kleine Sensation. Schade nur, dass es noch nicht einmal das treue NDR-Abo-Publikum so richtig mitbekommt und die Zuschauerränge ganz ungewohnt schütter besetzt bleiben.
    Der Band macht das nichts aus, eher freut sie sich über die komfortablen Bedingungen im Rundfunk, die Organisation, die gute Technik, den professionellen Sound. Und darüber, dass sie sich mal wieder daran machen, ihrer Quest nachzugehen. Ob sie den Bandnamen eher modern verstehen, als quasi wissenschaftliche Erforschung, oder eher ritterlich, als Aufgabe, die es zu erfüllen gilt, um schließlich zum Gral ihrer Musik zu gelangen, bleibt offen.
    Beirach lässt seine Hände quietschfidel über die Tastatur huschen, setzt mit sattem Anschlag seine vertrackten Rhythmusmuster oder lässt einen harmonisch vergifteten Akkord nachhallen, während McClure mit majestätischen Basstönen einen festen Boden bereitet und Hart mit stoischer Ruhe den Fluss der Musik in Bewegung hält, sie vorantreibt oder auch einen kleinen Wall errichtet. Im Zentrum steht Dave Liebman, der Saxofonist, Tenor und Sopran, der seine Melodielinien immer wieder in eine neue Richtung, durch eine weitere Kurve schickt, wo sie eine besonders innige Formulierung finden. Besonders auf dem Sopran leuchtet Liebman in vergessene Ecken, sei es die Resonanz, mit der die Saiten des Flügels in einer ruhigen Phase seinen warmen Ton erweitern, seien es die rasanten Glissandi, in denen er jenseits des Regelwerks der Harmonielehre die Kräfte von Spannung und Entspannung strapaziert. Quest rüttelt das Publikum ordentlich durch. Nach zwei Stunden meint man den Gral erkennen zu können. sth

    quelle http://www.welt.de/welt_print/articl...ten_Strme.html

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