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The Densen DM 20 Revival...

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    The Densen DM 20 Revival...

    Hallo allerseits,

    es ist schon erschreckend in welchem erbärmlichen Zustand manche HiFi-Geräte in der Bucht angeboten und verkauft werden, ohne dass man es im Angebot erkennen könnte. Unscharfe Fotos und beruhigende Formulierungen wie: "Guter Zustand, geringe Gebrauchsspuren, technisch einwandfrei" usw. in Verbindung mit den üblichen Ausschlussklauseln: "Keine Garantie oder Gewährleistung, keine Rücknahme, keine Nachverhandlung" etc. machen den Ankauf auf Distanz zum Vabanquespiel. Die Devise mancher Verkäufer lautet vermutlich: Irgendein Dummer wird sich schon finden. Und sie haben Recht, solche Dummen gibt es zur Genüge, ich zähle mich dazu.

    Wobei meine Dummheit sich in gewissen Grenzen hält, weil ich bei teureren Geräten manchmal quer durch die Republik fahre um mich vor Ort vom Zustand zu überzeugen. Gefällt mir das Gerät dann nicht kaufe ich es nicht. Die Fahrerei war dann umsonst, aber sie schützt mich auch vor bösen Überraschungen. Wenn es sich allerdings um Geräte unter etwa 300,- Euro handelt und der Verkäufer hunderte Kilometer weit weg wohnt nehme ich das Risiko inkauf und lasse mir das Gerät zusenden.

    So auch den DM 20 um den es hier geht. Unter den Vorverstärkern gehört dieser Densen für mich seit vielen Jahren zu den schönsten, schlichtesten, elegantesten und zeitlosesten Geräten die ich kenne. Im Anschluss sieht man das einzige Foto das sich im Angebot fand. Wesentlich vergrößern ließ es sich nicht weil es dann sehr unscharf wurde. Der Kauf war also eine Art Blindflug.


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Name: Densen-1.JPG
Ansichten: 22
Größe: 30,3 KB
ID: 593651


    Als er ankam habe ich schon bei der Annahme gemerkt, dass irgend etwas im Karton herumpoltert, kein gutes Zeichen, und ich ahnte schon was das sein könnte. Und tatsächlich: Der Verkäufer hatte die langen und schweren Bedienknöpfe für Quellenumschaltung und Lautstärke nicht demontiert, so dass eine der Achsen gebrochen war und der Knopf lose im Karton lagen. Kein Wunder, die Hebelarme an den kurzen Achsen sind teuflich lang, und bei entsprechender Beschleunigung durch einen Aufprall des Kartons...pfffffft. Wer nur ein bißchen von Physik versteht kann voraussehen was dann geschieht. Ob das auf dem Transportweg passiert ist...? Schwer zu sagen aber sehr wahrscheinlich, sonst hätte der Verkäufer sein Foto nicht machen können. Beim Öffnen des Gerätes zeigte sich, dass es sich wohl tatsächlich um einen Sturz des Kartons gehandelt haben dürfte. Zusammengeknülltes Zeitungspapier ringsum schützt halt nicht zuverlässig. Ein Teil der Stützen, auf denen die Printplatte ruht, waren an der Basis abgerissen. Also mussten diese zunächst erneuert werden. Da diese nur auf den Geräteboden geklebt werden und die Printplatte von oben aufgesteckt wird geht sowas schnell. Alte Basis vorsichtig ablösen, Klebereste entfernen, neuen Post aufkleben, fertig.





    Weit schwieriger stellte sich die Reparatur der abgerissenen Kunststoffachse dar. Flicken ließ sich diese nicht, weil einseitig kein Stummel geblieben war über den sich eine gedrehte Hülse hätte schieben und daran befestigen lassen - der Bruch verlief glatt an der Vorderkante der Metallhülse aus der die Kunststoffachse herausragte, besser gesagt nicht mehr herausragte. Da war guter Rat teuer..., aber wozu hat man HiFi-Freunde. Bei einem kurzen Telefonat hörte ich: "Warte mal..., ja hab´ ich, schick´ ich Dir rüber". Zwei Tage später lag die komplette Drehmechanik samt Bowdenzug vor mir, der Rest war ein Kinderspiel.

    Als alles wieder funktionierte erstmal an eine Endstufe angeschlossen und alle Eingänge durchgecheckt. Ja, da hatte der Verkäufer nicht gelogen, technisch war alles in Ordnung, aber...

    ...äußerlich sah das alles nicht mehr so nett aus wie auf dem Angebotsphoto. Die beiden vergoldeten Drehknöpfe waren derart "heruntergenudelt", dass überall die Unterverkupferung zum Vorschein kam. Auf dem nachfolgenden Photo siehst man das. Da ist nicht nur guter Rat teuer, sondern auch die großen Knöpfe von einer Firma überarbeiten und neu vergolden zu lassen. Mit Versandkosten hin und zurück kommen da schon ein paar Euro zusammen.




    Am aufwändigsten war es aber die dicke schwarze Acrylfront wieder auf Vordermann zu bringen. Zwar gab es keine Beschädigungen oder tiefe Kratzer, aber die vielen Jahre hatten ihre Spuren in Form unzähliger feiner Spuren auf der Oberfläche hinterlassen. In dem Fall hilft nur eines: Ausbauen und polieren, polieren, und nochmals polieren, wie man es bei einer vergammelten Staubschutzhaube eines Plattenspielers auch macht. Bei der Gelegenheit ließ sich die Messinghülse, in der die LED der Betriebsanzeige steckt gleich mitpolieren, wenn auch nur mit einem Q-Tip und natürlich geeigneter Polierpaste für Metalle.

    Nachdem alles wieder zusammengebaut war ging es an die Komplettreinigung der Buchsen und des Gehäuses. Für alle lackierten Oberflächen verwende ich übrigens Cockpitspray, ein Tip den ich einmal von einer Firma bekommen habe die McIntosh Geräte aufarbeitet. Für Edelstahlflächen und Glas nehme ich reinen Alkohol (Isopropylalkohol 99,9%), für metallische Flächen und elektrische Kontakte Teslanol t-6.

    So ein altes Schätzchen aufzuarbeiten macht einige Arbeit, keine Frage. Aber mal ehrlich, wenn man ihn da so stehen sieht geht einem doch das Herz auf. Zumindest mir und denjenigen, die auch ein Faible für sowas haben. Nein, das ist nicht der bestklingendste Vorverstärker, fernab davon, aber einer der schönsten ist er (für mich) allemal.

    Viele Grüße: Wolfgang


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    Zuletzt geändert von Janus525; 11.03.2021, 19:00.
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    #2
    Vielleicht noch ein kurzer Hinweis für alle "Restaurierer" zum Vergolden.

    Ich hatte angedeutet das Vergolden sei nicht gerade billig wenn es sich um größere Objekte handelt. Unten auf dem sechsten Foto sieht man wohin ich in der Vergangenheit meine Teile geschickt habe wenn ich sie vergolden lassen wollte. Zwischenzeitlich mache ich das selber, da ist nicht viel dabei zu können, und wenn man öfter sowas machen möchte rechnet sich das sehr schnell. Alles was man dazu benötigt ist ein kurzschlussfestes regelbares Netzteil, bei dem sich die Spannung fein einstellen lässt und das in der Lage ist 20A oder 25A zu liefern. Das reicht, will man nicht gerade ganze Stoßstangen vergolden. Dazu kommt ein Elektrodenhalter für unterschiedliche Elektroden (auf dem neunten Foto rechts auf dem Tisch, zum Vergolden, Versilbern, Vernickeln, Verkupfern usw.) und ein bißchen Zubehör, ein paar Chemikalien, sowie Gummihandschuhe und eine ringsum geschlossene Schutzbrille, thats all...

    Ach ja, fast vergessen, das jeweilige Elektrolyt mit mehr oder weniger hohem Sättigungsgrad, beim Vergolden noch das Teuerste bei der ganzen Geschichte. Allerdings noch immerr "spottbillig" gegenüber dem was es kostet das alles von einer Firma machen zu lassen. Ein kleiner Tip dazu: Mit der sogenannten Tamponvergoldung benötigt man nur wenig Elektrolyt, während bei der Tauchbadvergoldung ein Behältnis erstmal gefüllt sein will. Na und wie es geht kann man überall auf Youtube anschauen. Ehrlich, das ist kein Hexenwerk, das kann jeder in seiner Küche selber machen ohne etwas zu versauen, man muss nur etwas vorsichtig und sorgfältig arbeiten. Und Anwendungsmöglichkeiten bei der Restaurierung von HiFi-Geräten (und anderen Gelegenheiten) gibt es unzählige.

    Viele Grüße: Wolfgang

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    Zuletzt geändert von Janus525; 06.03.2021, 10:37.
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